Porträt

Kevin Kurányi ist der Mann der vielen Kulturen

  • Brasilien

    Rio de Janeiro. Die brasilianische Metropole ist der Traum aller Scouts. Weil sie hier nur einmal die Copacobana rauf und runter schlendern müssen und schon ein Dutzend Talente gesehen haben. Hier wird Kevin Kuranyi am 2. März 1982 geboren. Seine Wurzeln: multikulturell. Der Vater ist halb Deutscher, halb Ungar, die Mutter stammt aus Panama. Kevin wächst in Rio und Panama auf, mit sechs Jahren nimmt ihn der Vater eines Freundes mit zum Kicken. Kevin hat eine Menge Spaß, aber noch ist überhaupt nicht abzusehen, dass er eines Tages ein Topstürmer wird. "Wenn meine Freunde Mannschaften gemacht haben, wurde ich immer als einer der Letzten gewählt", erinnert er sich lachend, "das hat mich ziemlich geärgert." Ein Zustand, der sich bald ändern sollte. Mit 16 Jahren kommt Kevin nach Deutschland. Er absolviert ein Probetraining beim VfB Stuttgart, wo sie äußerst erfreut sind über den unerwarteten Zugang. Kevin durchläuft die B- und A-Jugend, der damalige Jugendkoordinator Thomas Albeck schwärmt: "Er ist eines unserer herausragendsten Talente der letzten Jahre." Ein Urteil, das Kevin in den kommenden Jahren bestätigen wird.

  • VfB Stuttgart

    Als im Sommer 2001 die Vorbereitung der VfB-Profis auf die neue Bundesliga-Saison beginnt, hat eigentlich kaum jemand Kevin Kuranyi auf der Agenda - außer Trainer Felix Magath. Er fordert und fördert den damals 19-Jährigen. Ein paar Wochen später erklärt der Coach: "Kevin ist ein Gewinner der Vorbereitung. Der Junge ist unverdorben, versucht immer etwas, hat keine Angst und will vor allem immer Tore machen." Die logische Folge: Als der VfB am 28. Juli gegen den 1. FC Köln in die Saison startet, steht Kevin in der Startelf. Die Partie endet 0:0, doch Spielmacher Krassimir Balakov ist sich sicher: "Kevin wird noch viele Tore für uns schießen." Am Ende werden es in 99 Bundesligaspielen für den VfB 40 Treffer. Und: Kevin sorgt mit den "Jungen Wilden" auch in Europa für Furore. In der Champions League wird beispielsweise das große Manchester United mit 2:1 besiegt. An diesem Abend feiert ganz Stuttgart seine Helden und Kevin sagt noch heute: "Das war ein unvergessliches Erlebnis." Das gilt auch für den 29. März 2003. Beim 1:1 zwischen Deutschland und Litauen in der EM-Qualifikation feiert Kevin sein Länderspieldebüt. Bis heute hat er für die DFB-Elf in 52 Partien 19 Mal getroffen.

  • FC Schalke

    Im Sommer 2005 entscheidet sich Kevin dafür, eine neue Herausforderung anzunehmen. Er wechselt zum FC Schalke 04. Der Anfang beim Traditionsklub ist schwer, viele Anhänger stehen dem Neuzugang skeptisch gegenüber. Es gibt Pfiffe, doch Kevin lässt sich nicht beirren. Er sagt: "Es ist normal, dass die Erwartungshaltung hoch ist." Und dann macht er, was er am Besten kann: Er kämpft, rennt - und trifft. In der ersten Saison schießt er zehn Tore, in der zweiten sowie dritten jeweils 15 und in der vierten 13. Die Pfiffe der Fans sind Vergangenheit. "Ich fühle mich richtig wohl hier", sagt Kevin, "Schalke ist ein fantastischer Klub mit fantastischen Anhängern." Im Dezember erzielt er seinen 100. Bundesligatreffer, mit 27 Jahren. 100 Bundesligatreffer - das ist in der gesamten Geschichte von Deutschlands höchster Spielklasse bisher nur zehn Spielern gelungen, die jünger als Kevin waren. Der Letzte hieß vor über 20 Jahren Rudi Völler. Und: Kevin hat nun in acht Spielzeiten hintereinander zweistellig getroffen. Besser waren in der Bundesligageschichte nur Manfred Burgsmüller und Gerd Müller.

  • Dinamo Moskau

    Nachdem Kevins Vertrag bei Schalke 04 am 30. Juni 2010 ausläuft, entscheidet er sich für ein neues Abenteuer und wechselt zum russischen Erstligisten FK Dinamo Moskau. Neuer Klub, neues Land, alte Stärke: In 16 Saisonspielen trifft Kevin neunmal und verpasst so nur knapp seine neunte Saison mit zweistelliger Trefferzahl. "Ich hatte ja auch nur eine halbe Saison Zeit, insofern kann ich damit leben", sagt er und lacht, "im Ernst, ich gebe auf solche Zahlenspiele nicht viel. Wer mich kennt weiß, dass mir das Wohl der Mannschaft seit jeher wichtiger ist als mein Tore-Konto." 
    Einen Titel kann Kevin nach einer halben Saison in Moskau auch schon vorweisen: Dinamo-Fans wählen ihn zum Spieler der Saison. Ehre und Freude für den Stürmer. Aber nicht genug. Die Ziele für Kevins zweite Saison in Russland lauten: In der Liga oben mitspielen und fürs europäische Geschäft qualifizieren. Beides gelingt. Dinamo spielt lange um Platz zwei mit, qualifiziert sich am Ende als Vierter für die Europa League und erreicht außerdem das Pokalfinale. In seine dritte Saison geht Kevin als Kapitän - mit noch höheren Zielen: "Diesmal wollen wir in die Top drei."